Was, wenn doch?

rang woa jung gödschon üjen chiang ne scherai,
jung bu tong de düe chi tan tsu dui ni diai
tsin ai de tsüen tsin tsüen ihde: woa ai ni.

Vor einigen Jahren habe ich angefangen, Beiträge für den Radiosender meiner Uni zu produzieren. Ich hatte den gleichen Grund, wie die meisten: Interviews mit meinen großen Idolen, mit denen ich hinterher natürlich fürchterlich eng befreundet sein würde.

Wie der Zufall es wollte, waren die guten Redaktionen aber sämtlich voll besetzt und ich landete in einer undankbaren Rubrik, die sich Unidschungel schimpfte und in der es ausschließlich um Hochschulthemen gehen sollte. Um trotzdem die Menschen interviewen zu können, die mich wirklich interessierten, erfand ich das Format Was ich früher mal werden wollte.

In einem intensiven Gespräch sollten mir einfach all die Musiker, Autoren und Künstler, die mir eben so imponierten, Antworten geben auf die Frage, wie sie geworden waren, was sie sind. Als schließlich ausgerechnet Bodo Wartke als einer der ersten zusagte, stolzierte ich siegessicher in den Redaktionsraum – ein unbenutztes Büro in unserem Institut, in dem zwei Tische aneinander gequetscht und voller technischem Equipment und alter und neuer Flyer, mehrere Kästen Mate in der linken und eine aus Eierkartons zusammengetackerte „Sprecherkabine“ in der rechten Ecke – und sammelte das Aufnahmegerät ein.

Zu diesem Zeitpunkt tobte zwischen den Redaktionen schon ein ausgewachsner Konkurrenzkampf, weswegen ich alleine nach Neukölln fuhr und mich auf dem Weg prompt verlief. Das glitschig neue Smartphone rutschte mir, die damals noch ganz ungewohnt hohlen Xylophontonleitern hinauf und herab blubbernd, beinahe aus den Händen. Ich hob ab, ohne es richtig begriffen zu haben und aus dem für mich nicht ortbaren Lautsprecher surrte eine bekannte Stimme:

„Sag mal. Bist du vielleicht in einem anderen Café als ich?“

War ich nicht. Ich stand im Nirgendwo Viertel Neuköllns, das bis heute die stärkste Note von Katzenurin vorweisen kann Ich folgte mit im Schneematsch schmatzenden Turnschuhsohlen Bodos höchstpersönlicher Wegbeschreibung, gab ihm einen Flammkuchen im Jazz-Keller an der Ecke aus (keine Zuspitzung von Nöten) und wir führten dieses sehr schöne Gespräch.

Beitragsbild (c) Sebastian Niehoff

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